KulturScouts

Vor dem Gesetz
Helsin Milolo Tungo (10a)

1. Inhalt
Am 24.01.2012 gingen wir, die KulturScouts, gemeinsam mit Frau Willems in das Museum Ludwig in die Ausstellung „Vor dem Gesetz“. In einer Führung wurden uns einige der vielen Kunstwerke näher vorgestellt. Angelika von Tomaszewski (Leiterin der Kunstvermittlung des Museums Ludwig) und Andreas Prinzing (wissenschaftlicher Volontär am Museum Ludwig und Mit-Kurator der Ausstellung) erklärten und erzählten uns alles ausführlich. Nach der Führung lernten wir den Museumsdirektor Herrn Kaspar König kennen. Er war total sympathisch und genauso erzählfreudig wie seine Mitarbeiter. An ihn konnten wir dann noch weitere Fragen stellen und ihm unseren Gesamteindruck von der Ausstellung schildern. Zum Schluss des Vormittages wurden wir dann mit dem Taxi nach Hause gebracht.

2. Werke
Meine persönlichen Lieblingskunstwerke in der Ausstellung waren „Tree“ (1997/2011) von Zoe Leonard, „Carousel“ (1988) von Bruce Nauman, „Das Bein“ (1958) von Alberto Giacometti und „Die zerstörte Stadt“ (1947) von Ossip Zadkine. Diese Skulpturen haben mich zum Nachdenken gebracht und ich finde, dass sie den Bezug zum Titel der Ausstellung am besten verdeutlichen.
Das Werk „Tree“ von Zoe Leonard hat mich sehr beeindruckt. Es besteht aus einem Baum, der zersägt und dann wieder zusammengeschraubt wurde. Meiner Meinung nach möchte Zoe Leonard damit die Zerbrechlichkeit des Menschen ausdrücken. Denn wenn einem Menschen viele Schicksalsschläge im Leben widerfahren und er sich immer wieder zusammen“schrauben“ und aufrappeln muss, ist er nicht mehr wie vorher und muss wie der zersägte Baum gestützt werden, zum Beispiel durch die Familie oder durch Freunde.
Ein anderes Kunstwerk, das mich zum Nachdenken gebracht hat, ist „Das Bein“ von Alberto Giacometti. „Das Bein“ ist die Abbildung eines abgemagerten menschlichen Beins, das auf einem Podest steht. Der Künstler wollte seine schrecklichen Kriegserlebnisse verarbeiten. Denn er hat viele Leichen und von Bomben weggesprengte Körperteile gesehen. Er selbst erlitt viele Jahre später einen Unfall, bei dem er sich das Bein brach.
Ich finde, dass diese Skulpturen den Bezug zum Titel der Ausstellung verdeutlichen, denn wenn man die Aussagen versteht, fragt man sich, ob es gerecht ist, dass einen Menschen so viele Schicksalsschläge treffen oder ob es fair ist, das unschuldige Menschen im Krieg ihr Leben lassen.
Solche Fragen kommen in einem auf und lassen einen das Thema „Recht und Gerechtigkeit“ noch einmal überdenken.
Es gab aber auch schockierende Kunstwerke wie zum Beispiel die Videoarbeit von Paul Chan „Sade for Sade’s sake“ (2009). Die Videoprojektion zeigt die Schatten von sich bewegende Figuren, die animalischen Sex betreiben oder onanieren. Das war ziemlich erschreckend und hat zum Nachdenken angeregt, wie wohl der Künstler auf so etwas gekommen ist und was er damit ausdrücken wollte. In gewisser Weise hat Paul Chan mit dem, was er in  „Sade for Sade’s sake“ darstellt, Recht. Denn der Mensch, der von seinen Gedanken dazu getrieben wird, Geschlechtsverkehr zu haben, aber eine psychische Störung hat, wird in seinem Handeln ein gefährliches Ausmaß annehmen. Er fängt an bestialisch zu werden und zu vergewaltigen. Genau das ist es, was Paul Chan uns meiner Meinung nach mit seiner Videoinstallation bewusst machen und zeigen will.

3. Fragen und Antworten
Da Frau Willems uns im Unterricht gut vorbereitet hatte, hatten wir natürlich auch viele Fragen, die sich aber im Laufe der Museumsführung klärten.
Unsere Fragen waren, wie das Museum die Kunstwerke lagert, auf- und abbaut, ob die Aussagen der Kunstwerke verständlich sind und ob die Kunstwerke überhaupt zum Titel „Recht und Gerechtigkeit“ passen. Herr Prinzing, einer unserer Museumsführer, hat uns erklärt, dass es oft schwer ist, die Kunstwerke original aufzubauen wie der Künstler es haben will. Schließlich will der Künstler mit seinem Werk etwas Bestimmtes aussagen und das geht nur, wenn sein Kunstwerk im Museum durch richtige Positionierung zur Geltung kommt.
Die Aussagen der einzelnen Kunstwerke waren nicht immer auf den ersten Blick klar. Wenn man sich aber Zeit genommen hat alles genauer zu betrachten und etwas philosophisch zu denken, war man schon ein ganzes Stück näher an dem, was der Künstler vermitteln wollte.

4. Erwartungen und Befürchtungen
Meine Befürchtung war, dass ich es nicht schaffe, alle meine Lieblingsstücke zu sehen, da wir nur begrenzt Zeit hatten. Und ich habe befürchtet, dass ich die Aussagen der Kunstwerke nicht interpretieren kann. Aber zum Glück ist es mir gelungen, alle Lieblingsstücke zu sehen und die Kunstwerke zu verstehen.

5. Bezüge zum Thema „Recht und Gerechtigkeit“
Die Kunstwerke in der Ausstellung „Vor dem Gesetz“ wurden sehr gut zusammengestellt, sodass man deutlich ihren Bezug zum Thema „Recht und Gerechtigkeit“ sehen konnte. Viele Skulpturen stammen aus der Nachkriegszeit, in der Recht und Gerechtigkeit ein großes Problem waren.

6. Der eigene Eindruck/Kritik
Insgesamt war der Besuch der Ausstellung „Vor dem Gesetz“ wirklich interessant und spannend. Ich selber habe die persönliche Auseinandersetzung mit den Kunstwerken intensiv erlebt. Zum Beispiel stand ich vor der Skulptur „Vater Staat“ von Thomas Schütte (2009/2010). Ich kam mir plötzlich total klein, unbeachtet und allein gelassen vor, denn die Skulptur ist riesig, hat weder Arme noch Beine, sieht starr geradeaus und gibt einem nicht das Gefühl sicher zu sein, obwohl sie doch „Vater Staat“ heißt. Trotz der Macht, die der Staat hat, ist er doch machtlos und kann sich ohne Glieder nicht bewegen oder verändern. Trotz der Sicherheit, die man meint zu haben, ist man doch auf sich allein gestellt, denn „Vater Staat“ guckt über einen hinweg und strahlt Ignoranz und Achtlosigkeit aus.
Ich würde die Ausstellung jedem empfehlen und schließe mich den Worten von Herrn König an:
„Es geht mir nicht um die Vermittlung von Kunst. Kunst ist nicht zu vermitteln. Ich möchte auch nicht theoretisieren und danach fragen, was Kunst ist. Allerdings möchte ich jeden einzelnen dahin bringen, selbst Fragen an die Kunst zu stellen.“
Kasper König in art, Ausgabe Oktober 1984

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